Die Historie der Pauluskirche zu Bulmke

Seit dem Jahre 1908 beschäftigte sich das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Bulmke mit dem Programm eines Kirchbaus. Die Ausführung des Kirchbaus war dem Baumeister Arno Eugen Fritsche aus Elberfeld übertragen worden. Am 20. August 1910 wurden die Fundamente der Kirche gelegt, am 9. Oktober desselben Jahres fand dann die eigentliche Grundsteinlegungsfeier statt.

„Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“.

Dieser Bibelvers ist zu finden im 1. Korintherbrief im 3. Kapitel als Vers 11.

Ebenfalls ist er in der Grundsteinlegungsurkunde der Pauluskirche zu finden. Weiterhin steht in der Urkunde zu lesen: „Im Jahre des Heils 1910, am 20. Sonntag nach Trinitatis, den 9. Oktober, wurde dieser Grundstein für die Paulskirche der evangelischen Gemeinde Bulmke gelegt, im 22. Jahre der gesegneten Regierung Sr. Majestät Wilhelm II. Deutschen Kaisers und König von Preußen, dem Schirmherren der evangelischen Kirche, und im 40. Jahr der glorreichen Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches.“

Viel patriotisches Pathos, welches man heute wohl eher belächeln würde. Aber es passte in die liberal konservative Gesinnung jener Zeit.

Mehr als ein Jahr dauerte der Bau. Während dieses Jahres wurden fleißig Gaben für die Pauluskirche durch den bereits bestehenden Kirchbauverein gesammelt. Am 15. Dezember 1911 wurde die Kirche eingeweiht. Generalsuperintendent Zöllner sowie der Präses der Provinzialsynode König nahmen unter Mithilfe der Gemeindepfarrer Schmidt und Emde die Weihe vor. Die Baukosten beliefen sich auf 200.000 Reichsmark. Die auf einem künstlich angelegtem Hügel stehende Kirche, wirkte von außen mit ihrer Sand- und Vulkanstein verkleideten Fassade wie die von Luther besungene „Feste Burg“.

Im Inneren ließ sich die Anlehnung an den Jugendstil eindeutig erkennen. Es war reichlich und farbenfroh mit verschiedensten Ornamenten ausgemalt. Vor allem die runde Chorraum und das Tonnengewölbe, dass den Kirchraum überspannte, zeigten dies.


In den 1910er Jahren war der Kaiser der oberste Bischof der Evangelischen Kirche. Während der Wilhelminischen Ära war es üblich Bibelverse als Wandschmuck wiederzugeben. Sie mischten bisweilen dem Geist der Zeit entsprechend Frömmigkeit und Patriotismus. In der Paluskirche waren die drei Emporen mit Bibelversen in großen goldenen Lettern verziert. Auf der Westempore war zu lesen:

Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark.


Auf der Südempore war zu lesen:
Lobet den Herrn in seinem Heiligtum.

und auf der Ostempore:
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Ab dem Jahr 1919 wurde damit begonnen im Vorraum der Kirche einen „Ehrenraum“ zu schaffen. Die Pläne dazu arbeitete Architekt Fritsche aus. Auf schlichten Eichentafeln waren die über 250 Namen jener Männer aus der Gemeinde verewigt, die ihr Leben im 1. Weltkrieg gelassen haben. Eine würdevolle Beleuchtung aus elektrischen Messingleuchtern illuminierte den Raum. Der vollständige Ausbau dieses Raumes kam in Folge der wirtschaftlich schwierigen Zeiten niemals zum Tragen.

Mit dem Jahr 1933 ließen sich auch in Bulmke unterschiedliche politischen Einstellungen im Gemeindeleben erkennen. Die Gemeinde spaltete sich in Deutsche Christen und Bekennende Gemeinde.


Ein dramatischer Einschnitt im sonst so beschaulichen Gemeindeleben. Bis auf den starken Gottesdienstzulauf und die sehr häufigen Abendmahlsfeiern zu Kriegsbeginn 1939 zeigte sich kein großer Unterschied zu den Zeiten vor dem Kriegsausbruch. Das sollte sich mit dem 19. Juni 1940 schlagartig ändern. An diesem Tag erfolgte ein größerer Luftangriff, der den Deutschen Eisenwerken an der Wannerstraße galt. Dabei gingen auch zwei Bomben in der Nähe von Kirche und Pfarrhaus an der Helenenstraße nieder. Die Explosionen zerstörten einige Scheiben an Pfarrhaus und Kirche, wobei dieser Schaden sehr schnell beseitigt werden konnte.

Bei den häufiger werdenden Luftangriffen wiederholten sich diese kleinen Schäden immer öfter. Im Frühjahr 1943 treffen Luftmienen den Turm und das Dach der Pauluskirche. Durch die enorme Druckwelle wurde fast das komplette Dach sowie die Turmhaube abgedeckt.

Auch die Orgel auf der Südempore erlitt großen Schaden. Der Orgelprospekt war vollkommen verbeult und die vorderen Pfeifen unbrauchbar. Nun war es soweit zu Handeln, um noch größeren Schaden zu vermeiden. Die Kirchenleitung, die zum Großteil aus Anhängern der Deutschen Christen (DC) bestand, handelte nicht und versuchte sogar die Wiederaufbaupläne der Bekennenden Gemeinde Bulmke (BK) zu unterbinden. Von Seiten der Partei und Stadtverwaltung war angedacht, die Mauern der Pauluskirche bis auf zwei Meter abzutragen und dahinein eine Stahlbetondecke zu gießen, damit der Keller als öffentlicher Luftschutzkeller genutzt werden könnte. Durch diese Verzögerung entstand durch Nässeeinwirkung noch mehr Schaden an der Bausubstanz. Endlich setzte sich die Bekennende Gemeinde Bulmke durch.

Unter Regie von Wolfgang Koch, der von dem im Felde weilenden Pfarrer Dreisbach (BK) beauftragt war, begannen nun die Wiederaufbauarbeiten. Trotz erheblicher Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Material und Arbeitskräften, gelang es bis Weihnachten fast alle Schäden zu beseitigen. Die Kosten von 25.500 RM (ca. 194.000 €) wurden allein von Spenden aus der Gemeinde und der Industrie in Bulmke aufgebracht.

Auch die reparierte und verbesserte Orgel erklang wieder zu Weihnachten 1943.  Beim Wiederaufbau wurde unter dem Turm ein Luftschutzkeller eingerichtet. Dort hielt die aus zwei Personen bestehende Brandwache vom Turm aus Ausschau und war im Notfall sicher. Der Keller unter der Kirche wurde von den Schülern der Oberrealschule schon seit Kriegsbeginn als Luftschutzkeller genutzt.

 

In den folgenden Monaten folgte ein Luftalarm dem anderen. Am 16. September 1944 fielen wieder Bomben auf Bulmke. Um 18 Uhr erhielt die Pauluskirche einen Volltreffer durch zwei Brandbomben. Unmittelbar nach dem Treffer schlagen Flammen aus Turm und Dach. Viele Stunden dauerte dieser Anblick, bis alles Brennbare zu Asche geworden war. Am Morgen des folgenden Tages standen nur noch der ausgebrannte Turm und die Außenmauern der Pauluskirche.

Wieder machte man sich Gedanken, wie ein Wiederaufbau zu bewerkstelligen wäre. Doch dann kam der 6. November 1944. Der Großangriff, der fast ganz Bulmke in Schutt und Asche wirft, bringt das endgültige Ende aller Hoffnungen. Diesmal treffen Sprengbomben die Ruine und reißen die Ost und Südfassade bis zur Kellerdecke nieder. Vom nebenstehenden Pfarrhaus war kein Stein mehr auf dem anderen. Für elf Jahre bot sich nun der mahnende Anblick des aus den Schuttmassen aufragenden Turmes.

Da die Bauunterlagen zu einem großen Teil noch vorhanden waren hätte nach der Zerstörung der Pauluskirche die Bulmker Kirche in der ursprünglichen Form wieder aufgebaut werden können. Allerdings waren die Kosten dafür unerschwinglich. So kamen Presbyterium und Kirchbauverein zu der Einsicht, unter weitgehender Verwendung der Reste von Kirchenschiff und Turm ein „Neues“ zu wagen.

Planung und Entwurf der Kirche sowie die Leitung der Bauarbeiten übertrug das Presbyterium dem Architekten Otto Prinz (BDA), dem als erster Mitarbeiter Kurt Neukirchen (VfA) zur Seite stand; mit der Statik wurde Diplom-Ingenieur Friedel Darmstädter beauftragt. In lobender Anerkennung muss gesagt werden, dass die drei Herren und das Presbyterium unter Integrierung des Verwendbaren, eine möglichst große Ausgewogenheit in der inneren und äußeren Gestaltung der neuen Kirche zu erreichen versuchten.


Der Grundriss der Pauluskirche in ihrem äußeren Umfang ist ein Quadrat. Sieht man von den vier Ecken 1. Eingang und Presbytersakristei, 2.Turmeingang und Aufgang zu Empore und Turm, 3. Haupteingang, Aufgang zur Empore bzw. Kellerabgang, 4. Eingang und Pfarrsakristei ab, so bildet der verbleibende Kirchenraum (Kirchenschiff plus Altarraum) ein griechisches oder Gamma-Kreuz. Beim Blick in die Kirche vom Haupteingang her hat der Betrachter den Eindruck eines lang gestreckten Raumes. Dieser wird verstärkt durch die Aufstellung von zwei Säulenreihen. Als tragendes Element für die Dachkonstruktion - also aus statischen Gründen - wären die Säulen nicht erforderlich gewesen; man hat sie allerdings auch als Auflegepunkte für das Dach genutzt.

Das Kirchenschiff erfährt durch die Säulen eine weitere künstliche optische Streckung, die durch das um ein gutes Stück nach außen verlegte große Altarfenster noch weiter unterstrichen wird. Da die östliche Außenwand der Kirche bis auf wenige Meter zerstört war, bot sich hier die günstige Gelegenheit, durch große bis zur Decke reichende Fenster aus Gussglas Licht in das Kirchenschiff und auf die rechte Empore fallen zu lassen. In gleicherweise ist mit der ebenfalls zerstörten Südseite verfahren worden; auch hier erfolgte der Lichteinfall auf die rückwärtige Empore in deren ganzen Breite und Höhe ebenfalls durch große Fenster aus Gussglas. Die linke Empore, auf der später die Orgel zur Aufstellung kommen sollte, bekommt Licht durch Fenster neben der vorgesehenen Orgel.

Um andererseits Altarraum und Kirchenschiff näher zusammenzubringen und mögliche Sichtbehinderungen zu nehmen, wird der Marmorfußboden vom Haupteingang bis zu den ersten Stufen des Altarraumes um 50 Zentimeter gesenkt.  Durch die Absenkung des Fußbodens wird der Blick der Gottesdienstbesucher auf den Mittelpunkt des Gotteshauses hingelenkt.

Zur Erzielung einer guten Akustik in der neuen Kirche wurden noch während des Rohbaus zwei Akustiker hinzugezogen. Die Herren Prof. Dr. Dr. Zeller aus Essen und Dr. Ingenieuer Henrichs aus Bochum Unabhängig von einander und auch von den Architekten wurde von allen erkannt, dass der beste Aufstellungsort für die Orgel die linke Empore, ein wenig abgesetzt von der westlichen Seitenwand sei. Allerdings sollte es bis zum Jahr 1964 dauern, bis eine Orgel im Gotteshaus erklang.

Zur Ausgestaltung der neuen Kirche griff die Gemeinde zu einem großen Teil auf die Bewohner der Gelsenkirchener Künstlersiedlung Halfmannshof zurück. Altar und Taufstein sind von Bildhauer Hubert Nitsch entworfen worden. Altarplatte und Taufstein sind aus je einem Marmorblock gearbeitet worden. Der Taufstein wiegt eine Tonne. Das Altarfenster zeigt - 35 mal in feiner farblicher Variation wiederkehrend - das Lamm mit der Siegesfahne bekrönt von dem himmlischen Jerusalem. Das große Holzkreuz, das sich zwischen Altar und Fenster erhebt, ist eine Arbeit des Kirchmeisters Erich Meyer. Professor Eduard Bischoff hat auf den, neben dem Haupteingang liegenden Fenstern die zwölf Aposteln in ihrer Wesensart dargestellt. Der Kunstschmied Friedemann Werner hat den schönen Treppenlauf an der Kanzel entworfen und selbst gefertigt. Turmkreuz und Weltkugel stammen ebenfalls von diesem Künstler.

Die feierliche Wiedereinweihung der Pauluskirche fand am 23. Juni 1957 statt.
von Andreas Janke


Aktuelles über die Pauluskirche zu Bulmke finden Sie hier:
www.pauluskirche-zu-bulmke.de


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